Totznhackn

Mit dem Einsetzen des Frühjahres im März war von Hötting über die MARTHA-Dörfer die Jugend mit ihren Totzn (Wurfkreisel) unterwegs und hackten aus einem mit Kreide aufgezeichneten Kreis eine Münze heraus. Vorbeigehende Passanten setzten ihren “Groschen” (Kleingeld) in den Kreis und wer als Erster die Münze mit dem Totzn aus dem Kreis hacken konnte und der Totzn sich drehte, bekam das eingesetzte Geld. Am Palmsonntag lebt das Totznhackn in Mühlau nach der Messe am Platz des Pfarrwidum wieder auf. Der folgende Kurzfilm von Christoph Weingartner zeigt die Anfertigung der Totzn durch das Mühlauer Orginal: Willi Schlögl (✝) und die “alten” Mühlauer beim Weitergeben der Tradition an die Jungen.

Mühlauer Faschingstreiben

Neben den Faschingsbällen, Faschingsumzügen ist das „Mullen und „Karner gian“ in Mühlau Teil der Faschingstradition.

In verschiedensten Ansätze wurde versucht das in den „Martha – Dörfern“ beheimatete Mullen bzw. Matschgern in seinen Ursprung zurück zu verfolgen und zu publizieren. (zBsp.Fasnacht in Tirol, Thomas Nußbaumer)

Der rauhe Brauch der „Karner“ passte nicht mehr in die geänderten Lebensbedingungen und das „Mullen“ erfuhr eine Wandlung. Wenn früher spontan, kleine Gruppen Bauern- und Wirtshäuser besuchten entwickelte es sich zu einem im Verein organisierten Brauchtum mit Auftritten bei Bällen mit größerer Teilnehmerzahl. Die Mühlauer Dorfrunde am „Unsinnigen Donnerstag“ erinnert noch an früher.

Nachdem dieses Jahr auch der Fasching durch die Pandemie –Beschränkungen ausfällt wollen wir mit einigen Bildern das Mühlauer Faschingstreiben im Laufe einiger Jahrzehnte beleuchten.

Gefallenengedenken in Mühlau

Jedes Jahr am Sonntag nach Allerheiligen treten die Mühlauer Vereine an, um ihrer in den Weltkriegen gefallenen Kameraden zu gedenken. Ein Kranz wird niedergelegt, der Marsch „Ich hatte einen Kameraden“ gespielt. Ehrungen verliehen und dann ab zum „Schützenschnitzel“ ins Schützenheim zum geselligen Teil.

Dieses Jahr ist alles anders. Im Frühjahr fiel bereits die Osternacht aus und jetzt zu Allerheiligen wird es kein „Gefallenengedenken“ geben. Dies gibt uns die Gelegenheit etwas genauer hinzusehen, was hinter dem Aufmarsch, der Kranzniederlegung, dem Interesse der Zuseher und der Teilnehmer aus der Bevölkerung steht.

Ein frühes Bild des „Kriegerdenkmals“ in Mühlau zeigt auf 2 Steintafeln die Namen von 44 gefallenen Mühlauern. Die Widmung lautet: „Die Gemeinde Mühlau Ihren gefallenen Helden“. Jeder einzelne Name gibt Zeugnis von Entbehrung, Leid und Tod. Fern der Heimat, herausgerissen aus einem normalen Leben und einem Irrsinn geopfert, der bis heute Teile der Welt beherrscht.

“Kriegerdenkmal Mühlau”

Alois Frenes aus Mühlau ist eines dieser Opfer. Mit 28 Jahren verstarb er im Kriegsgefangenenlager Beresowka, Ostsibirien (Kriegsgefangenenlager Berezovka/Beresowka).




Der Eintrag im Mühlauer Taufbuch am 18. Februar 1887 zeigt den Beginn eines neuen Lebens in Mühlau an, das schließlich mit der Mitgliedschaft in der Feuerwehr Mühlau und als Mitarbeiter der Firma Rauch in das Arbeits- und Gemeinleben in Mühlau hineinwuchs.

Aus dem Leben herausgerissen verstarb er als Soldat im 1. Tiroler Kaiserjägerregiment in einem Sibirischen Kriegsgefangenenlager. Sein Arbeitgeber Anton Rauch führte akribisch Buch über alle Begebenheiten und vermerkt in seinem Betriebstagebuch:

In den Mitteilungen des Deutsch-Tirolischen Landes-Feuerwehrverbandes wurden die Gefallenen in der Rubrik „Gefallen für das Vaterland“ aufgelistet.

Dreiundvierzig weitere Schicksale stehen hinter den aufgezeichneten Namen, die inzwischen mit den Namen der im 2. Weltkrieg Gefallenen ergänzt und auf vier Metalltafeln im erweiterten „Kriegerdenkmal“ nachzulesen sind.

Gefallenengedenken – es gibt zu denken

  • an die sinnlosen Opfer,
  • an Entbehrung Leid und Tod,
  • an die Vielfalt in unserem aktuellen Leben,
  • an die Dinge, die jedem für sich wichtig sind,
  • an Rücksichtnahme und Gemeinschaftssinn, damit Intoleranz und Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft finden.
Ein Foto aus dem Stadtarchiv Innsbruck zeigt einen Teil des Lagers in dem Alois Frenes verstarb.

Die Dänische Nationalbibliothek hat die Besuchsberichte vom Dänischen “Roten Kreuz” digitalisiert. Diese sind unter folgendem Link einsehbar und geben Einblick unter welchen Bedingungen die Kriegsgefangenen lebten.

https://soeg.kb.dk/discovery/fulldisplay?docid=alma99122092263405763&context=L&vid=45KBDK_KGL:KGL&lang=da&search_scope=MyInst_and_CI&adaptor=Local%20Search%20Engine&tab=Everything&query=any,contains,Berichte&facet=tlevel,include,open_access&offset=0

Unter dem Namen “Gedenken” startet die DorfWerkStatt Mühlau ein Projekt bei dem alle Interessierten eingeladen sind

zu den Namen auf dem Mühlauer Kriegerdenkmal die Schicksale der Betroffenen zu erforschen und aufzuzeigen.

Fronleichnamsprozession 2020 Mühlau

Extreme Hitze, und auch Gewitter mit Platzregen, die die Teilnehmer der Prozessionen in den vergangenen Jahren ordentlich “gewaschen” haben, sowie hitzige Diskussionen um die Beginnzeiten der Prozessionen sind aus den letzten Jahrzehnten bekannt.

Auch dass der frühere Prozessionsweg über die Anton Rauchstraße und Hallerstraße auf die heutige Runde Hauptplatz, Sternbachplatz, Arzlersraße, Mühlenweg bis zur Kirche geändert wurde. Aber der komplette Entfall der Prozession mit dem dem nicht unwesentlichen Teil des “Zusammensitzens”  beim Platzkonzert der Musikkapelle ist einzigartig. 

Eine Besonderheit in Mühlau war der “Bachsegen” – bei jeder Überschreitung des Mühlauer Baches bei Prozessionen oder Begräbnissen blieb die Geistlichkeit auf der Brücke stehen, alle Formationen wendeten sich zum Bach und der Pfarrer erteilte den “Bachsegen”. Nachforschungen zum Ursprung waren bisher nicht erfolgreich.

Inzwischen ist der Kirchgang ja wieder mit Einschränkungen offen, und so wird im Gegensatz zum Osterfest eine Fronleichnamsmesse gehalten. 

Christoph Weingartner hat in seinem Filmarchiv Nachschau gehalten und zwei Aufzeichnungen der Prozessionen von 1959 und 2007 zur Verfügung gestellt.
Wir hoffen damit wieder einen Interessanten Rückblick und ein wenig “Prozessions – feeling” vermittelt zu können. 

DorfWerkStatt Mühlau 

Fronleichnamsprozession-1959
Fronleichnamsprozession-2007

Mühlau im Lauf der Zeit – Dokumente aus der Luft

Historische Luftbilder und Karten dokumentieren die Besiedlungsentwicklung von Gemeinden sehr anschaulich. Das Land Tirol hat in den letzten Jahren in Archiven lagernde analoge Luftbilder und Karten digitalisiert und für die Allgemeinheit kostenlos über das Internet zugänglich gemacht. Auch für den Stadtteil Mühlau gibt es nun aus unterschiedlichen Jahrgängen Luftbilder und Kartenmaterial in bester Qualität.
Im PDF, welches uns Manfred Egger aus Arzl zur Verfügung gestellt hat, erkennt man in vier gleich großen Kartenfenstern das Siedlungsgebiet von Mühlau in den Jahren 1855, 1940, 1970-1973 und 2016.
Das PDF kann unter dieser URL kostenlos hochauflösend (32mb) heruntergeladen werden: https://www.egger-gis.at/muehlau

Vergleicht man Mühlau im Jahr 1855 mit dem Luftbild aus dem Jahr 2016 kann man auf den ersten Blick sehr viele bauliche Veränderung erkennen.
Hier eine kleine Auswahl von einigen Details, die man in der Zusammenschau der Kartenbilder erkennen kann:

In der Karte von 1855 ist noch die alte Kettenbrücke (erbaut 1843) erkennbar.

Seit dem Jahr 1940 sieht man die neue Kettenbrücke (Mühlauer Brücke) und die Brücke und Trasse der alten Hungerburgbahn. Beim Abbruch der Kettenbrücke 1938 und Neubau 1939 wurde auch die Achse der Brücke deutlich gedreht. Die Geleise der „Haller Straßenbahn“ fanden auf der neuen Brücke Platz, und die für die Straßenbahn eigens errichtete Brücke konnte abgetragen werden.
Erste industrielle bzw. gewerbliche Anlagen im heutigen dicht verbauten Gewerbegebiet Mühlau sind bereits im Luftbild 1940 zu erkennen (z.B. Rauchmühle, Hallerstraße).

Das Trinkwasserkraftwerk Mühlau der IKB im Norden des Stadtteils sieht man erst im Luftbild der Jahre 1970-1973. Im Luftbild des Jahres 2016 kann man die neue Solaranlage neben dem Kraftwerk sehr gut erkennen.

Im Jahr 2016 ist die Trasse der neuen Hungerburg klar erkennbar. Die Trasse der alten Hungerburg erkennt man im Jahr 2016 nur mehr auf den zweiten Blick.

Es gibt sicherlich viele weitere Details, die man nennen könnte. Jeder Kartennutzer kann vor allem in seiner näheren Wohnumgebung sicher viele interessante Details finden.
Manfred Egger ist Geograph und Experte im Bereich geographische Datenverarbeitung. Seit dem Jahr 2016 beschäftigt er sich nebenberuflich mit historischen Karten und Luftbildern. Für spezielle Anfragen ist er unter manfred@egger-gis.at erreichbar.

Turmsanierung abgeschlossen

Herabstürzende Fassadenteile bedingten im August 2017 eine genauere Begutachtung des Zustandes des Kirchendaches und der Fassade unserer Pfarrkirche.

Die Nachschau ergab einen dringenden Sanierungsbedarf für den Kirchturm, das Kirchendach und die Fassade. Im Herbst 2018 konnte dann nach den erforderlichen Vorarbeiten mit der Sanierung des Kirchturmes als ersten Bauabschnitt begonnen werden.

Die Lärchenschindeln des Kirchturms aus dem Jahr 1952,  sind durch eine Kupfereindeckung ersetzt worden. Der Hahn und die Kugel an der Kirchturmspitze sind ebenso wie die Zeiger der Turmuhr renoviert und wieder montiert worden. Der Anstrich der Kirche wurde vom Denkmalamt befundet und im Bereich des Kirchturms von der Fa. Holzbaur fachgerecht gereinigt und erneuert. Das Gerüst ist mittlerweile wieder entfernt und der erste Bauabschnitt damit fertig. Sobald das Wetter und der Terminplan der Firmen es zulassen, wird es im Frühjahr weitergehen mit dem Kirchendach selbst und der restlichen Fassade.

Unser Pfarrkoordinator Mag. Raimund Eberharter bedankt sich herzlich bei allen beteiligten Firmen und Martin Moser vom Bischöflichen Bauamt für die gute und reibungslose Zusammenarbeit.

Bausteinaktion  „Kirchturmschindel” 

Die bestehenden Lärchenschindeln waren Grundlage für eine erfolgreiche Bausteinaktion und der Erlös aus dem Verkauf der Schindeln eine „Eigenleistung der MühlauerInnen“ die aufzeigt, dass unsere Kirche vielen ein gemeinsames Anliegen ist.  Herzlichen Dank an die Helfer der Aktion:

  • der Feuerwehr für die fachgerechte Bergung
  • Heinrich Auer für die nötige Ausrüstung für die Bearbeitung
  • Der DorfWerkStatt Mühlau mit Manfred Liebentritt u. Robert Mattersdorfer für den unermüdlichen Einsatz bei der Reinigung und Veredelung der Schindeln
  • Elisabeth Wieser für „das Marketing und den Vertrieb“
  • und nicht zuletzt allen, die eine Schindel erworben haben, für ihre großzügige Spende.

Das ideale Weihnachtsgeschenk als Gruß aus Mühlau !

Wer noch die eine oder andere Schindel erwerben bzw. verschenken möchte (z.B. als Gruß aus der Heimat): Im Pfarrbüro sind noch etliche vorrätig und für das Adventbankl in der DORFWERKSTATT am 11. Dezember 2018 von 17:00 – 19:00 Uhr haben Robert und Manfred die nächste Lieferung angekündigt. Selbst “Hand anlegen” ist an diesem Tag gefragt. Der Brennstempel ist vorgeheizt und die Rohlinge warten auf Ihre künstlerische Gestaltung durch die neuen Besitzer.

Es ist gute Tradition, dass in der Kugel an der Spitze des Kirchturms eine Botschaft an die Nachwelt aufbewahrt wird. Auch wir haben einige Daten über das Leben in unserem Stadtteil dazugefügt. Vor allen Zahlen und Fakten aber haben wir „unseren lieben Nachkommen die besten Segenswünsche übermittelt in der Hoffnung, dass unser gemeinsamer christlicher Glaube auch ihnen Fundament und Freude ist in den Herausforderungen ihres Lebens“. Das ist letztlich auch die Motivation für jede Kirchenrenovierung und mein Wunsch an uns alle!
schreibt  Raimund Eberharter, Pfarrkurator im aktuellen Pfarrbrief.

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Mühlauer Feuerwehrspritze auf neuen Rädern

Die über 140 Jahre alte Feuerwehrspritze der Feuerwehr Mühlau erhielt nach der

gemeisterten Ausfahrt zur 150 Jahr Feier in Bruneck im Jahr 2014 neue Räder, um die bestehenden zu schonen.

Christian Löffler adaptierte die Bremsen für die neuen Räder und  diese standen nun zum Ersten mal beim

Rahmenprogramm der Vereinsausstellung  des Haflinger Pferdezuchtverbandes Weer im Einsatz.

Als Ausstellungsstück verbleibt die Spritze komplett im Originalzustand, für die Ausfahrten stehen nun neue

Räder zur Verfügung. Funktionstüchtige Geräte zeigen die Leistungen die mit den damaligen Geräten möglich war.

Dies zu vermittelt ist Aufgabe gelebter Feuerwehrgeschichte.

 

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